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Rückblick: Das Gesicht der Gestalt

Das Ewige war Gestalt worden in der Wahrheit. Und die Wahrheit ist nichts andres als das Antlitz dieser Gestalt. Die Wahrheit allein ist ihr Antlitz. Und hütet euch sehr um eurer Seele willen: Gestalt habt ihr keine gesehn, Sprache allein vernahmet ihr, – so heißt es in der Mit- und Umwelt der Offenbarung. Aber in der Nach- und Überwelt, der erlösten, die der zur rechten Zeit und am rechten Ort gesprochene Segen, höherer Kräfte voll, herbeizwingt, schweigt das Wort. Von ihr der vollendet-befriedeten heißt es: Er lasse dir leuchten sein Antlitz.

Gottes Antlitz

Dies Leuchten des göttlichen Angesichts allein ist die Wahrheit. Sie ist keine für sich frei schwebende Gestalt, sondern allein das aufleuchtende Antlitz Gottes. Wem er aber sein Angesicht leuchten läßt, dem wendet er es auch zu. Wie er uns sein Angesicht zuwendet, so mögen wir ihn erkennen. Und dies Erkennen erkennt nicht uneigentlich. Sondern es erkennt die Wahrheit, wie sie ist, nämlich wie sie in Gott ist: als sein Antlitz und Teil. Sie wird nicht etwa zur uneigentlichen Wahrheit, dadurch daß dies Antlitz uns zugewandt, Gottes Teil uns zuteil wird; denn auch als eigentliche und eigentlichste Wahrheit wäre sie nichts andres als – Teil und Antlitz. Im Stern der Erlösung, in dem wir die göttliche Wahrheit Gestalt werden sahen, leuchtet so nichts andres auf als das Antlitz, das Gott uns leuchtend zuwandte. Ja den Stern der Erlösung selber, wie er uns nun endlich als Gestalt aufging, werden wir nun wiedererkennen im göttlichen Angesicht. Und erst in dieser Wiedererkenntnis vollendet sich seine Erkenntnis.

Gottes Tag

Denn solange wir nur seine Bahn kannten, ohne schon seine Gestalt zu schauen, solange war die Ordnung der ursprünglichen Elemente noch nicht fest. Wohl zwar sank längst kraftlos dahin das unbeschränkt hin und her flatternde Vielleicht; Gott Welt Mensch hatten sich untereinander zur sicheren Ordnung gefügt; in der Bahn kam ihnen ihre Ordnung; durch die Folge der drei Stunden des Gottestags ward den Elementen des All ihr unverrückbares Verhältnis zueinander gewiesen; so ward die Bahn als die Bahn des Gestirns erkannt, dem jene Bahnelemente angehörten. Aber indem so der Stern erblickt wurde, schien er sich noch um sich selber drehen zu können, also daß innerhalb des schon fest gewordenen Ablaufs der drei Zeiten des Gottestags nun dennoch Welt und Mensch ihren eigenen Tag zu erleben schienen, der mit jenem nicht einfach zusammenfiel. Nur für Gott war die Erlösung wirklich das Letzte. Aber für den Menschen bedeutete schon seine gottebenbildliche Schöpfung, für die Welt schon der Niederstieg Gottes in der Offenbarung das Erlöstsein zu aller nur möglichen Vollendung. Es schienen da die drei Stunden also nur Stunden des Gottestags zu sein, der Tag des Menschen und der Tag der Welt wäre ein andrer.

Es war die ganze Aufgabe des dritten Teils, der vom Ewigen der erlösten Überwelt handelte, zu zeigen, daß es nicht so ist. Jene scheinbare Vertauschungsmöglichkeit ward hier selbst in Gestalten festgebannt, die ihren festen Platz in der ewigen Wahrheit des Gottestags angewiesen bekamen. Im ewigen Leben war allerdings der Welt die Erlösung schon in der Offenbarung, in der ja alles drin ist, vorweggenommen; in der Offenbarung an das eine Volk war ewiges Leben gepflanzt, es selber verändert sich nicht mehr; jenes ewige Leben wird dereinst in der Frucht der Erlösung wiederkehren, so wie es einst gepflanzt war; so wird hier in die Welt, die sichtbare Welt, wirklich schon ein Stück Erlösung hineingestellt, und es wird wahr, daß von der Welt aus gesehen die Offenbarung eigentlich schon die Erlösung sei. Und andrerseits wird im ewigen Weg wirklich wieder bei der anerschaffenen Gottebenbildlichkeit des Menschen begonnen; die Erlösung geschieht hier durch den neuen Adam, den sündlosen, nicht gefallenen, und ist in ihm schon da; so wird hier der Mensch, der beseelte Mensch, indem er sich diese mit der wunderbaren Geburt des zweiten Adam erneuerte gottebenbildliche Geschaffenheit aneignet, schon Erbe der Erlösung, einer Erlöstheit, die ihm von uran, von der Schöpfung her eignet und nur der Aneignung harrt; also daß es wahr wird, daß vom Menschen her eigentlich schon die Schöpfung die Erlösung sei.

Gottes Zeit

Und so fügen sich hier auch aufs genaueste die Verhältnisse der Zeiten. Denn der Mensch ward in der Offenbarung zum Menschen geschaffen, und in der Erlösung mochte und mußte er sich offenbaren. Und dies einfache und natürliche Zeitverhältnis, worin das Geschaffenwerden dem Sichoffenbaren voranging, begründet nun den ganzen Verlauf des ewigen Wegs durch die Welt, die eigene Zeitrechnung, das Bewußtsein, das sich in jeder Gegenwart zwischen Vergangenheit und Zukunft und auf dem Weg aus jener in diese findet. Hingegen die eigentümliche, uns schon mehrmals aufgefallene Verkehrung der Zeitfolge für die Welt erhält jetzt ihre anschauliche Bestätigung. Der Welt geschieht ja in ihrer Schöpfung das Erlebnis des Erwachens zum eignen offenbaren Bewußtsein ihrer selbst, nämlich zum Bewußtsein der Kreatur, und in der Erlösung erst wird sie eigentlich geschaffen, erst da gewinnt sie jene feste Dauerhaftigkeit, jenes beständige Leben statt des augenblicksgeborenen immer neuen Daseins. Diese Verkehrung der Zeitfolge, wo also für die Welt das Erwachen dem Sein vorhergeht, begründet das Leben des ewigen Volks. Sein ewiges Leben nämlich nimmt ständig das Ende vorweg und macht es so zum Anfang. In dieser Umkehrung verleugnet es die Zeit so entschieden wie nur möglich und stellt sich aus ihr heraus. In der Zeit leben heißt zwischen Anfang und Ende leben. Wer außerhalb der Zeit leben wollte – und das muß, wer in der Zeit nicht das Zeitliche, sondern ein ewiges Leben will – wer also das will, der muß jenes zwischen verleugnen. Ein solches Verleugnen aber müßte tätig sein, damit nicht bloß ein Nicht-in-der-Zeit-Leben herauskäme, sondern ein positives Ewig-Leben. Und die tätige Verleugnung geschähe einzig in der Umkehr. Ein Zwischen umkehren heißt sein Hernach zum Zuvor, sein Zuvor zum Hernach, das Ende zum Anfang, den Anfang zum Ende machen. Und das tut das ewige Volk. Es lebt für sich schon so, als ob es alle Welt und die Welt fertig wäre; es feiert in seinen Sabbaten die sabbatliche Vollendung der Welt und macht sie zur Grundlage und zum Ausgangspunkt seines Daseins. Was aber zeitlich nur Ausgangspunkt wäre, das Gesetz, das setzt es sich zum Ziel. So erlebt es das Zwischen nicht, obwohl es doch natürlich, wirklich natürlich, darin lebt. Es erlebt grade die Umkehrung des Zwischen, und also leugnet es die Allmacht des Zwischen und verleugnet so die Zeit, dieselbe Zeit, die auf dem ewigen Weg erlebt wird.

Die ewigen Götter

So verfestigen sich also unter den Zeichen des ewigen Lebens und des ewigen Wegs die beiden Ansichten aus dem Gesichtspunkt der Welt oder des Menschen zu selber sichtbaren Gestalten und treten unter das eine Zeichen der ewigen Wahrheit. Und damit vereinfacht sich nun die Frage, welche Ordnung der drei Stunden für die ewige Wahrheit selber erfordert wird. Denn da die ewige Wahrheit erkannt wurde als die Wahrheit, die am Ende sein wird und von Gott am Anfang urspringt, so zeigt sichs, daß nur die Ordnung, wie sie sich von Gott aus darstellt und in der die Erlösung wirklich das Letzte ist, der letzten Wahrheit gerecht wird. Und eben in dieser Ordnung von Gott aus finden selbst die scheinbar neben ihr immerhin noch möglichen Ordnungen von der Welt oder vom Menschen aus ihre Wohnstatt, wo sie als notwendige und sichtbare Gestalten unter der Herrschaft der ewigen Wahrheit sicher hausen und ihr Wahrlich sagen dürfen. Jene ewigen Götter des Heidentums, in denen es fortleben wird bis zum ewigen Ende, der Staat und die Kunst, jener das Götzenbild der Sachlichen, diese das der Persönlichen, werden da von dem wahren Gott in Ketten geschlagen. Mag doch der Staat für die Welt den obersten Platz im All beanspruchen und die Kunst für den Menschen, und mag jener den Strom der Zeit an den Epochen der Weltgeschichte aufzustauen, diese ihn in das unendliche Kanalsystem der Erlebnisse abzuleiten suchen – mögen sie doch! der im Himmel sitzt, spottet ihrer; er hält ihrer schon einander widerstreitenden Geschäftigkeit das stille Wirken der geschaffenen Natur entgegen, in deren Wahrheit die vergötterte Welt begrenzt und gestaltet ist zu ewigem Leben, der vergötterte Mensch gebeugt und entboten zu ewigem Weg, und also beide, Welt und Mensch, gemeinsam Gottes Herrschaft untergetan sind. Denn selbst der Kampf um die Zeit, in dem sich Staat und Kunst gegenseitig aufreiben müßten, weil der Staat ihren Fluß bannen, die Kunst in ihm treiben will, selbst dieser Kampf ist in der gottbeherrschten Natur geschlichtet; in der Ewigkeit des Lebens und der Ewigkeit des Wegs finden Welt und Mensch nebeneinander Platz; da sind sie vergöttlicht, ohne daß sie vergöttert würden.

Der Gott der Götter

Erst vor der Wahrheit also sinkt der Taumel allen Heidentums in sich zusammen. Seinem trunken blinden Sich- und Nursichsehenwollen, wie es im ewigen Kampf von Staat und Kunst aufgipfelt, tritt die überlegen ruhige Macht der göttlichen Wahrheit entgegen. Sie, weil sie alles als eine einzige große Natur zu ihren Füßen liegen hat, mag einem jeden seinen Anteil zuweisen und so das All ordnen. Solange Staat und Kunst sich beide, jedes sich, für allmächtig halten dürfen, solange nehmen sie auch jedes, und mit Recht, die ganze Natur für sich in Anspruch. Sie kennen beide die Natur nur als ihren Stoff. Erst die Wahrheit konnte, indem sie den Staat wie die Kunst, jenen am ewigen Leben, diese am ewigen Weg, begrenzte, die Natur von dieser doppelten Sklaverei befreien und sie wieder zur einen machen, in der nun Staat und Kunst sich ihren Anteil nehmen mögen, doch nicht mehr. Und die Wahrheit – von wo sonst zöge sie ihre das All der Natur tragende Pfeilerkraft als von dem Gott, der sich in ihr und nur in ihr Gestalt gibt. Es gilt letzthin vor dem Blick der Wahrheit nicht bloß kein Vielleicht – das entschwand längst –, sondern auch kein Möglich mehr. Der Stern der Erlösung, in dem die Wahrheit Gestalt gewinnt, kreist nicht. Was oben steht, steht oben und bleibt oben stehn. Standpunkte, Welt- und Lebensanschauungen, Ismen jeglicher Art – das wagt sich alles unter diesem letzten einfachen Blick der Wahrheit nicht mehr hervor. Die Standpunkte versinken vor der einen beständigen Schau. Welt- und Lebensanschauungen vergehen in die eine Anschauung Gottes. Die Ismen verziehen sich vor dem aufgehenden Gestirn der Erlösung, die, einerlei ob man an sie glaubt oder nicht, jedenfalls als eine Tatsache gemeint ist und kein Ismus. Es gibt also ein Oben und Unten, unvertauschbar, unverdrehbar. Auch der Erkennende darf nicht Wenn sagen. Auch ihn beherrscht das So, das So-und-nicht-anders. Und eben deswegen, weil es in der Wahrheit Oben und Unten gibt, deshalb dürfen nicht bloß, sondern müssen wir sie das Antlitz Gottes heißen. Wir sprechen in Bildern. Aber die Bilder sind nicht willkürlich. Es gibt notwendige und zufällige Bilder. Die Unverkehrbarkeit der Wahrheit läßt sich nur in dem Bilde eines Lebendigen aussprechen. Denn im Lebendigen allein ist schon von Natur und vor aller Setzung und Satzung ein Oben und Unten ausgezeichnet. Und im Lebendigen wieder dort, wo ein Selbstbewußtsein dieses Auszeichnens wach ist: im Menschen. Der Mensch hat oben und unten an seiner eignen Leiblichkeit. Und wie die Wahrheit, die sich im Stern Gestalt gibt, innerhalb des Sterns als ganze Wahrheit wiederum zu Gott und nicht zur Welt oder zum Menschen zugeordnet ist, so muß sich auch der Stern noch einmal spiegeln in dem, was innerhalb der Leiblichkeit wieder das Obere ist: das Antlitz. Es ist deshalb kein Menschenwahn, wenn die Schrift von Gottes Antlitz und selbst seinen einzelnen Teilen redet. Die Wahrheit läßt sich gar nicht anders aussprechen. Erst indem wir den Stern als Antlitz schauen, sind wir ganz über alle Möglichkeit von Möglichkeiten hinweg und schauen einfach.

Das Menschengesicht

Gleich wie der Stern in den zwei übereinandergelegten Dreiecken seine Elemente und die Zusammenfassung der Elemente zur einen Bahn spiegelt, so verteilen sich auch die Organe des Antlitzes in zwei Schichten. Denn die Lebenspunkte des Antlitzes sind ja die, wo es mit der Umwelt in Verbindung tritt, seis in empfangende, seis in wirkende. Nach den aufnehmenden Organen ist die Grundschicht geordnet, die Bausteine gewissermaßen, aus denen sich das Gesicht, die Maske, zusammensetzt: Stirn und Wangen. Den Wangen gehören die Ohren, der Stirn die Nase zu. Ohren und Nase sind die Organe des reinen Aufnehmens. Die Nase gehört zur Stirn, sie tritt in der heiligen Sprache gradezu für das Gesicht im ganzen ein. Der Duft der Opfer wendet sich an sie wie das Regen der Lippen an die Ohren. Über dieses erste elementare Dreieck, wie es gebildet wird von dem Mittelpunkt der Stirn als dem beherrschenden Punkt des ganzen Gesichts und den Mittelpunkten der Wangen, legt sich nun ein zweites Dreieck, das sich aus den Organen zusammenfügt, deren Spiel die starre Maske des ersten belebt: Augen und Mund. Die Augen sind unter sich nicht etwa mimisch gleichwertig, sondern während das linke mehr empfänglich und gleichmäßig schaut, blickt das rechte scharf auf einen Punkt eingestellt; nur das rechte blitzt, – eine Arbeitsteilung, die ihre Spuren schließlich bei Greisenköpfen häufig auch in die weiche Umgebung der Augenhöhle eingräbt, so daß dann jene ungleichmäßige Gesichtbildung auch von vorn wahrnehmbar wird, die sonst allgemein nur an der bekannten Verschiedenheit der beiden Profile auffällt. Wie von der Stirn der Bau des Gesichts beherrscht wird, so sammelt endlich sein Leben, alles was um die Augen zieht und aus den Augen strahlt, sich im Mund. Der Mund ist der Vollender und Vollbringer allen Ausdrucks, dessen das Antlitz fähig ist, so in der Rede wie zuletzt im Schweigen, hinter dem die Rede zurücksank: im Kuß. Die Augen sinds, in denen das ewige Antlitz dem Menschen leuchtet, der Mund, von dessen Worten der Mensch lebt; aber unserm Lehrer Mose, der das Land der Sehnsucht lebend nur schauen, nicht betreten durfte, versiegelte er dies abgeschlossene Leben mit einem Kusse seines Mundes. So siegelt Gott und so siegelt der Mensch auch.

Ausblick: Der Alltag des Lebens
Das Letzte

Im innersten Heiligtum der göttlichen Wahrheit, wo ihm seiner Erwartung nach alle Welt und er selber sich zum Gleichnis herabsinken müßte für das, was er dort erblicken wird, erblickt so der Mensch nichts andres als ein Antlitz gleich dem eigenen. Der Stern der Erlösung ist Antlitz worden, das auf mich blickt und aus dem ich blicke. Nicht Gott, aber Gottes Wahrheit ward mir zum Spiegel. Gott, der der Letzte ist und der Erste, er schloß mir die Pforten des Heiligtums auf, das in der innersten Mitte erbaut ist. Er ließ sich schauen. Er führte mich an jene Grenze des Lebens, wo die Schau verstattet ist. Denn kein Mensch bleibt im Leben, der ihn schaut. So mußte jenes Heiligtum, darin er mir sich zu schauen verstattete, in der Welt selber ein Stück Überwelt, ein Leben Jenseits des Lebens sein. Aber was er mir in diesem jenseits des Lebens zu schauen gab, das ist – nichts andres als was ich schon in der Mitte des Lebens vernehmen durfte; nur daß ich es schaue, nicht mehr bloß höre, ist der Unterschied. Denn die Schau auf der Höhe der erlösten Überwelt zeigt mir nichts andres, als was mich schon das Wort der Offenbarung mitten im Leben hieß; und im Lichte des göttlichen Antlitzes zu wandeln, wird nur dem, der den Worten des göttlichen Mundes folgt. Denn – er hat dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was verlangt der Ewige dein Gott von dir als Recht tun und von Herzen gut sein und einfältig wandeln mit deinem Gott.

Das Erste

Und dies Letzte ist nichts Letztes, sondern ein allzeit Nahes, das Nächste; nicht das Letzte also, sondern das Erste. Wie schwer ist solch Erstes! Wie schwer ist aller Anfang! Recht tun und von Herzen gut sein – das sieht noch aus wie Ziel. Vor jedem Ziel kann der Wille noch erst ein wenig verschnaufen zu müssen behaupten. Aber einfältig wandeln mit deinem Gott – das ist kein Ziel mehr, das ist so unbedingt, so frei von jeder Bedingung, von jedem Erst noch und Übermorgen, so ganz Heute und also ganz ewig wie Leben und Weg, und darum so unmittelbar der ewigen Wahrheit teilhaft wie Leben und Weg. Einfältig wandeln mit deinem Gott – nichts weiter wird da gefordert als ein ganz gegenwärtiges Vertrauen. Aber Vertrauen ist ein großes Wort. Es ist der Same, daraus Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen, und die Frucht, die aus ihnen reift. Es ist das Allereinfachste und grade darum das Schwerste. Es wagt jeden Augenblick zur Wahrheit Wahrlich zu sagen. Einfältig wandeln mit deinem Gott – die Worte stehen über dem Tor, dem Tor, das aus dem geheimnisvoll-wunderbaren Leuchten des göttlichen Heiligtums, darin kein Mensch leben bleiben kann, herausführt. Wohinaus aber öffnen sich die Flügel des Tors? Du weißt es nicht? INS LEBEN.


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Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Citation Suggestion for this Object
TextGrid Repository (2026). Books. 3.5_TOR. The Star and its Universe: Franz Rosenzweig between Past and Future. Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. https://hdl.handle.net/21.11113/40zz5.9