[18] 8.

Allhier in dieser wüsten Heyd'
Ist gar kein Mensch nicht weit und breit,
Die wilden Thier allein
Die seh' ich selbst Mitleyden tragen,
Die Vögel traurig seyn,
Und mich mit schwacher Stimme klagen,
Die kalten Brunnen stärcker fliessen,
Viel Threnen gleichfalls zu vergiessen.
Stein, Wälder, Wiesen, Feld und Thal
Hör' ich beklagen meinen Fall.
Sie fühlen meine Pein,
Die Schafe wollen gar nichts weiden.
Du, Delia, allein
Wirst nicht beweget durch mein Leiden,
Du Kron und Zier der Schäfferinnen,
Du strenge Fürstin meiner Sinnen.
In dich hab' ich mein Ziel gericht,
Mein einig All, meins Lebens Liecht;
Nun hat deß Glückes Neid
Von deiner Seiten mich gerissen,
Drumb wüntsch' ich dieser Zeit
Nicht mehr deß Lebens zu geniessen,
Vom Todte nur werd' ich bekommen
Die Freyheit, so du mir genommen.
Laß' ich gleich aber diese Welt,
Wird meine Treu doch nicht gefellt;
Die Liebe gegen dir
Hab' ich an manchem Baum geschnitten;
Da sieht man für und für,
Was ich für Angst und Pein erlitten;
So lang' Arcadia wird stehen
Soll auch mein Nahme nicht vergehen.
Es trit Diana selber hin,
Mein Grab zu machen in das Grün,
Die Göttin Flora geht
Sich nach Violen umbzuschauen,
Mein Leichstein ist erhöht,
Darein die Nymphen werden hauen:
Hier hat den Geist dahin gegeben
Der seine Liebste bracht' umbs Leben.

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TextGrid Repository (2012). Opitz, Martin. Gedichte. Weltliche Dichtungen. Oden oder Gesänge. 8. [Allhier in dieser wüsten Heyd']. 8. [Allhier in dieser wüsten Heyd']. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-6436-8